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Demenz

Eine Demenz (lat. dementia „ohne Geist“) ist ein Defizit in kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten, das zu
einer Beeinträchtigung sozialer und beruflicher Funktionen führt und meist mit einer diagnostizierbaren Erkrankung des
Gehirns einhergeht. Vor allem ist das Kurzzeitgedächtnis, ferner das Denkvermögen, die Sprache und die Motorik; bei
einigen Formen auch die Persönlichkeitsstruktur betroffen. Maßgeblich ist der Verlust bereits erworbener Fähigkeiten im
Unterschied zur angeborenen Minderbegabung. Heute sind verschiedene Ursachen von Demenzen geklärt; einige
Formen können in gewissem Umfang behandelt werden, d.h. die Symptome können im Anfangsstadium einer Demenz
verzögert werden. Die am häufigsten auftretende Form der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit. Eine Demenz kann auf
ganz verschiedenen Ursachen beruhen, für die Therapie ist die Klärung dieser Unterscheidungsmerkmale wichtig.

Definition
Die diagnostischen Kriterien für eine Demenz beinhalten Kombinationen von Defiziten in kognitiven, emotionalen und
sozialen Fähigkeiten, die zu einer Beeinträchtigung von sozialen und beruflichen Funktionen führen. Als Leitsymptom gilt
die Gedächtnisstörung. Am Anfang der Erkrankung stehen Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der Merkfähigkeit,
in ihrem weiteren Verlauf verschwinden auch bereits eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses, so dass die
Betroffenen zunehmend die während ihres Lebens erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten verlieren.

Definition der Demenz nach ICD 10
Demenz (ICD-10-Code F00-F03) ist ein Syndrom als Folge einer meist chronischen oder fortschreitenden Krankheit des
Gehirns mit Störung vieler höherer kortikaler Funktionen, einschließlich Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung,
Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache, Sprechen und Urteilsvermögen im Sinne der Fähigkeit zur Entscheidung. Das
Bewusstsein ist nicht getrübt. Für die Diagnose einer Demenz müssen die Symptome nach ICD über mindestens sechs
Monate bestanden haben. Die Sinne (Sinnesorgane, Wahrnehmung) funktionieren im für die Person üblichen Rahmen.
Gewöhnlich begleiten Veränderungen der emotionalen Kontrolle, der Affektlage, des Sozialverhaltens oder der Motivation
die kognitiven Beeinträchtigungen; gelegentlich treten diese Syndrome auch eher auf. Sie kommen bei Alzheimer
-Krankheit, Gefäßerkrankungen des Gehirns und anderen Zustandsbildern vor, die primär oder sekundär das Gehirn und
die Neuronen betreffen.

Definition der Demenz im DSM-IV
Die kognitiven Defizite verursachen eine signifikante Beeinträchtigung der sozialen und beruflichen Funktionen und
stellen eine deutliche Verschlechterung gegenüber einem früheren Leistungsniveau dar. Sie treten nicht im Rahmen
einer rasch einsetzenden Bewusstseinstrübung oder eines Delirs auf. Zur Beeinträchtigung des Gedächtnisses muss
noch mindestens eine der folgenden Störungen hinzukommen:

Aphasie: Störung der Sprache
Apraxie: beeinträchtigte Fähigkeit, motorische Aktivitäten auszuführen
Agnosie: Unfähigkeit, Gegenstände zu identifizieren bzw. wieder zu erkennen
Dysexekutives Syndrom: Störung der Exekutivfunktionen, d.h. Planen, Organisieren, Einhalten einer Reihenfolge
 Häufigkeit  [Bearbeiten]
Nach der Berliner Altersstudie (1996) steigt die Zahl der Menschen mit Demenz nach Altersgruppen aufgeschlüsselt
folgendermaßen an:

Altersgruppe Anteil
Demenzerkrankter
65- bis 69-Jährige 1,2 %
70- bis 74-Jährige 2,8 %
75- bis 79-Jährige 6,0 %
80- bis 84-Jährige 13,3 %
85- bis 89-Jährige 23,9 %
über 90-Jährige 34,6 %

Es ist davon auszugehen, dass bisher bei über der Hälfte aller Senioren (älter als 65 Jahre) im allgemeinärztlichen
Patientengut mit vorhandener Demenz nie eine solche Diagnose gestellt wurde.[1]

Risikofaktoren
Hauptrisikofaktor für eine Demenz ist das hohe Lebensalter. Das Überwiegen des weiblichen Geschlechts ist
wahrscheinlich vor allem in der um einige Jahre höheren Lebenserwartung von Frauen begründet. Depressionen werden
als Risikofaktor für die Entwicklung einer Demenz angesehen. Sie treten vor allem in frühen Demenzstadien gehäuft auf
und können einer Demenz auch vorausgehen.

Weitere Risikofaktoren sind darüber hinaus kardiovaskuläre Faktoren, wie Hypertonie, hoher Homocysteinspiegel,
Adipositas und Diabetes mellitus.[2][3][4][5] Eine Rolle spielen hierbei Defekte des Gefäßsystems, der beeinträchtigte
Insulin-Metabolismus und Signalweg und ein Defekt im Glukosetransportmechanismus im Gehirn.

Die derzeitigen medizinischen Behandlungsmöglichkeiten können den Verlauf einer Demenz nur in einem sehr
bescheidenen Ausmaß positiv beeinflussen. Deshalb kommt der Prävention der Demenz besondere Bedeutung zu, deren
Eckpfeiler in der Einschränkung der Risikofaktoren besteht. Hierbei gelten heute als aussichtsreichste Strategien in erster
Linie die Kontrolle der kardiovaskulären Risikofaktoren, physische Aktivität (Sport), soziales Engagement, Kontrolle des
Körpergewichts (Diät) und die frühzeitige Behandlung einer Depression.[7][8] Da auch das Tabakrauchen ein möglicher
Risikofaktor für Demenzerkrankungen darstellt, trägt das Einstellen des Zigarettenkonsums ebenfalls zur
Demenzprävention bei.

Einteilungen und Ursachen
Es existieren eine Reihe von Einteilungen der Demenzen im deutschen Sprachbereich orientiert an der Genese, im US
-amerikanischen orientiert am Ort der cerebralen Schädigung.

Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Die Demenzformen werden laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie nach der Genese in vaskuläre, (neuro-
)degenerative Demenzformen und Mischformen unterteilt.[

Vaskuläre Demenz (VAD)[13]

Multiinfarktsyndrom: Defektsyndrom nach größeren, einzelnen oder multiplen, ischämischen oder hämorrhagischen
Insulte mit Untergang einer kritischen Masse an neuronalen Gewebe (wahrscheinlich ca. 100 ml)
Strategische Insulte: ausgeprägte kognitive Defizite bei kleinem Läsionsvolumen an entscheidenden Stellen (Thalamus,
hinteres Kapselknie, frontales Marklager)
Mikroangiopathische Läsionen
multilakunären Syndroms
konfluierende Marklagerveränderungen (subkortikale vaskuläre Enzephalopathie, SVE).
Mikrogefäßveränderungen
Kapillarverlust
Blut-Hirn-Schranken-Störungen
genetische Grunderkrankungen
CADASIL-Erkrankung
HERNS-Syndrom
familial British dementia (HCHWA-D (Hereditary Cerebral Hemorrhages with Amyloidosis of the Dutch Typ), HCHWA-I
(Icelandic Type))
Degenerative Demenz[14] [15]

Morbus Alzheimer
Frontotemporale Demenz
Lewy-Körperchen-Demenz
 ICD 10  [Bearbeiten]
Nach ICD-10[16] werden die Demenzen unterteilt in

Demenz bei Alzheimer-Krankheit
Vaskuläre Demenz
VAD mit akutem Beginn (nach mehreren kleineren Schlaganfällen einer einzigen massive Infarzierung als Folge von
zerebrovaskulärer Thrombose, Embolie oder Blutung)
Multiinfarkt-Demenz (Vorwiegend kortikale Demenz, allmählicher Beginn, nach Anhäufung von Infarkten im Hirngewebe)
Subkortikale vaskuläre Demenz (arterielle Hypertonie, ischämischen Herden im Marklager der Hemisphären, klinische Bild
erinnert an Alzheimer-Krankheit
Gemischte kortikale und subkortikale vaskuläre Demenz
Sonstige vaskuläre Demenz
Vaskuläre Demenz, nicht näher bezeichnet
Sekundäre Demenz bei anderenorts klassifizierten Krankheiten
Pick-Krankheit
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
Chorea Huntington
primärem Parkinson-Syndrom
HIV-Krankheit
Demenz bei anderenorts klassifizierten Krankheitsbildern
Epilepsie
hepatolentikulärer Degeneration (Morbus Wilson)
Hyperkalziämie
Hypothyreose, erworben
Intoxikationen
Multiple Sklerose
Neurosyphilis
Niacin-Mangel (Pellagra)
Panarteriitis nodosa
systemischer Lupus erythematodes
Trypanosomiasis
Vitamin B12-Mangel
zerebraler Lipidstoffwechselstörung
 Sonstige Einteilungen  [Bearbeiten]
In US-amerikanischer Literatur wird eine Unterteilung in kortikale und subkortikale Demenzen verwendet.[17][18] Diese
unterscheiden sich nicht nur nach dem Ort der zerebralen Schädigung (Kortex versus Basalganglien), sondern auch nach
deren klinischem Erscheinungsbild. Klassisches Beispiel für die kortikalen Demenzen ist die Alzheimer-Krankheit.
Subkortikale Demenzen sind die subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie, die Demenz beim Parkinson-Syndrom,
Normaldruckhydrocephalus, Morbus Wilson, oder Chorea Huntington.

Ein Verbindung zwischen dementiellen Veränderungen und chronischem Nierenversagen scheint zu bestehen

Verbreitung
Die häufigste Form einer Demenz ist die Alzheimer-Krankheit. Die zweithäufigste Ursache mit zirka 20 Prozent ist die
gefäßbedingte Demenz (Vaskuläre Demenz).

Aus neuropathologischen Untersuchungen ist bekannt, dass die ersten Demenz-typischen Veränderungen im
Gehirngewebe bereits im jungen Erwachsenenalter auftreten und mit zunehmendem Lebensalter stetig zunehmen. Zur
Demenz kommt es erst, wenn ein großer Teil der Gehirnzellen zerstört ist.

Häufigste Ursachen der Demenz (Zahlen aktuell August 2005)
Alzheimer-Krankheit ca. 50-60 %
Vaskuläre Demenz ca. 20 %
Mischform beider o.g. ca. 15 %
Sekundäre Demenzen (Angaben und Zahlen nicht aktuell geprüft!)
Lewy-Körperchen-Erkrankung und Parkinson-Syndrom ca. 10–20 %
Frontotemporale Demenz ca. 5–10 %
Andere < 5 %

Die Angaben sind Schätzungen, da die Zuordnung im Einzelfall schwierig bis unmöglich ist und Mischformen häufig sind.
Zahlen aus den 90er Jahren.

Diagnostik
Wichtige Hinweise zur Differentialdiagnose und zur Auswahl der bildgebenden Untersuchungsverfahren liefert die
Krankengeschichte, wobei besonders die Angaben der Bezugspersonen zu berücksichtigen sind. Dem Betroffenen selbst
fallen seine Gedächtnisstörungen oft nicht auf und/oder man kann kurzfristig bei Terminen in Hochform sein (bekanntes
Phänomen bei Arztbesuchen). Andererseits ist es auch möglich, dass er seine Gedächtnisstörungen im Rahmen einer
depressiven Verstimmung überschätzt. Technische Untersuchungen wie beispielsweise die Kernspintomografie oder
Computertomografie des Kopfes oder die Elektroenzephalografie sind auch zur Differenzierung von anderen
Gehirnerkrankungen sinnvoll. Um keine behandelbare Ursache zu übersehen, sollten zumindest die folgenden
Blutuntersuchungen vorliegen: Blutbild, Vitamin B12-Spiegel, Blutzucker, Leberwerte, Nierenwerte, Elektrolyte,
Schilddrüsenhormone, CRP. Hilfreich zur Erhärtung eines ersten Verdachtes und auch zur Überprüfung des Fortschreitens
einer Demenz sind neben der Krankengeschichte zunächst einfache psychometrische Testverfahren wie der MMSE = Mini
-Mental State Examination, der Uhrentest oder der DemTect. Solche einfachen und schnell durchführbaren Tests können
dann auch zu Verlaufsuntersuchungen eingesetzt werden, zum Beispiel, um das Ansprechen auf Medikamente oder
Therapieverfahren zu überprüfen. Ein an ausgewählten Zentren etabliertes bildgebendes Verfahren zur Diagnose und
Differentialdiagnose der Demenz ist die PET mit FDG [21]. Damit lassen sich auch schon in Frühstadien Orte im Gehirn mit
vermindertem Glucosestoffwechsel nachweisen und so eine Demenz vom Alzheimertyp oder eine frontotemporale
Demenz (Morbus Pick) nachweisen. Demenzen durch Depressionen zeigen ein anderes Aktivitätsmuster im PET. Zur
Diagnose von Demenzen, die mit extrapyramidal motorischen Störungen einhergehen, wird die Szintigraphie mit J123
beta-CIT oder DAT-Scan, die J123-IBZM Szintigraphie und die PET mit L-Dopa eingesetzt. Damit kann ein Morbus Parkinson, die Multisystematrophie, eine progressive supranukleäre Blickparese und ein essentieller Tremor abgegrenzt
werden.

Differentialdiagnostik
Manche psychischen und neurologischen Störungen können leicht mit einer Demenz verwechselt werden, z. B. folgende:

Depression
Einfache „Altersvergesslichkeit“
Verweigerung und Vermeidungsverhalten
Deprivationserscheinungen bzw. Hospitalismus mit Regression (z. B. in Altersheimen)
Leichte kognitive Störung des Alters (unter der Chiffre ICD-10 F06 Organische psychische Störungen)
Mangel an Vitaminen und Mineralien (z. B. Vitamin B12, Perniziöse Anämie)
Schlaganfall
Gehirntumore
Störungen des Stoffwechsels (beispielsweise Unterzuckerung bei Diabetikern, Entgleisungen des Nierenstoffwechsels
etc.)
Neurologische Störungen wie etwa das Apallische Syndrom, das Wachkoma, das Locked-in-Syndrom und der akinetische
Mutismus
Delir
Geistige Behinderung
Psychose und Wahn (z. B. Schizophrenie, Manie und psychotische Depression)
Schwerer Autismus (Kanner-Syndrom) mit Mutismus
Einfacher Mutismus
Einfache Aphasie
Flüssigkeitsmangel (Exsikkose)

 

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