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Fibromyalgie

Die Fibromyalgie ist eine chronische, nichtentzündliche Schmerzerkrankung, die nicht mit dem Begriff
„Weichteilrheumatismus“ gleichzusetzen ist. Das Fibromyalgiesyndrom (FMS) ist eine schmerzhafte Erkrankung der
Bewegungsorgane, oftmals verbunden mit Bewegungseinschränkungen. Diese Definition ordnet die Erkrankung dem
rheumatischen Formenkreis zu. Eine enger gefasste Definition des Rheumabegriffs fordert zusätzlich das Vorliegen
einer entzündlichen Genese. In diesem engeren Sinne stellt die Fibromyalgie keine rheumatische Erkrankung dar. Eine
wichtige Differentialdiagnose ist die Rheumatoide Arthritis.

Das Wort Fibromyalgie leitet sich in seinen drei Bestandteilen ab aus „Fibro-“ vom lateinischen fibra = Faser, griechisch
„My-“ bzw. „Myo-“ von myos = Muskel und „algie“, ebenfalls aus dem Griechischen von algos = Schmerz. Die veraltete
Bezeichnung lautet Generalisierte Tendomyopathie, abgekürzt GTM.

Symptome
In ihren Leitlinien vom Juni 2008 unterscheidet die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF)[4] zwischen zur Diagnose erforderlichen Hauptsymptomen und häufig vorliegende
Nebensymptomen.

Hauptsymptome sind chronische Schmerzen in verschiedenen Körperregionen, andauernde Müdigkeit (allgemeine
Schwäche, Konzentrationsstörungen) bis hin zur Erschöpfung (Fatigue-Syndrom) sowie Schlafstörungen. Von den
Schmerzen besonders betroffen sind Rücken, Nacken, Brustkorb als auch die Gelenke in den Armen und Beinen. Die
Symptome sollten über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten auftreten.

Zu den häufig vorzufindenden Begleitsysmptomen gehören Schwellungsgefühle in den Händen, Füßen oder dem Gesicht,
Morgensteifigkeit, Reizdarm, Reizmagen, Kopfschmerzen, Trockenheit bzw. Überempfindlichkeit der Schleimhäute sowie
vermehrte Ängstlichkeit und Depressivität.

Während für gewisse Fibromyalgie-Patienten vor allem die Schmerzen im Vordergrund stehen, klagen andere Patienten
hauptsächlich über Müdigkeit, Verspannungen, Konzentrationsstörungen und unnatürlich lange Erholungsphasen nach
körperlichen, geistigen oder emotionalen Belastungen. Wissenschaftlich nachgewiesen wurden eine erhöhte Geräusch-,
Licht- und Kälteempfindlichkeit.

Vegetative Beschwerden
Je nach Patient unterschiedlich können diverse vegetative Beschwerden auftreten, beispielsweise
Herzrhythmusstörungen, empfindliche Haut (überschießende Reaktionen bei Berührung von näheren Menschen),
vermehrte Venenzeichen, Haarausfall, Atembeschwerden, diffuse Schmerzen im Brustbereich in Verbindung mit Atemnot,
Infektanfälligkeit, leicht erhöhte Temperatur, Taubheitsgefühle, nervöse Extremitäten (restless legs), Krämpfe in der
Beinmuskulatur, Händezittern, Reizblase, Reizdarm, Periodenschmerzen, Nachlassen des sexuellen Interesses, Impotenz,
Heiserkeit, Schluckbeschwerden, Kloßgefühl im Hals, Zahnschmerzen, Schmerzen in der Kaumuskulatur, Störungen des
Gehörsinns, Blindheit, Tinnitus (Ohrgeräusche), Neigungen zur vermehrten Schweißbildung, Wassereinlagerungen,
Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Wortfindungsstörungen, Schmerzen im Wirbelsäulenbereich, wechselnde
Schmerzbereiche z. B.: an einem Tag rechte Hand und linker Fuß, am folgenden Tag linker Arm und rechtes Bein.
Depressionen und Erschöpfungszustände sowie Müdigkeit, Mattigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen am ganzen Körper
können ebenfalls auftreten.

Organ- und Gewebeschäden sind bisher nicht nachweisbar, obwohl massive Störungen in der Funktion der inneren
Organe auftreten können, insbesondere zu Beginn der Erkrankung. Die Fibromyalgie kann plötzlich auftreten, nach einer
grippeähnlichen Erkrankung, oder schleichend.

Krankheitsverlauf
Der Erkrankungsbeginn ist häufig schleichend und unauffällig. Am Anfang stehen meistens unspezifische Beschwerden
wie beispielsweise Abgeschlagenheit, Schlafstörungen oder Magen-Darm-Beschwerden. Später kommen Schmerzen im
Bereich der Lenden- oder – etwas seltener – der Halswirbelsäule hinzu. Erst danach entwickeln sich die typischen
Schmerzen in Arm und Beinen sowie weitere begleitende Symptome und Beschwerden. In der Regel verschlimmert sich
die Krankheit nicht kontinuierlich. Heftige Schmerzattacken werden von schmerzfreien Intervallen abgelöst. Kälte, Nässe
oder äußere Belastungen können zur Verschlimmerung führen. Bis sich das Vollbild der Erkrankung herausgebildet hat,
dauert es durchschnittlich sieben bis acht Jahre. Die einzelnen Schübe und akuten Phasen folgen keinem bestimmten
Muster und sind deshalb nur schwer vorherzusehen, jedoch treten sie besonders häufig nach akuten
Infektionskrankheiten auf (Grippe, Lungenentzündung, Lyme-Borreliose o.ä.). Stress ist jedoch ebenfalls ein
ernstzunehmender Faktor. Viele Betroffene klagen über vermehrte Symptome (körperlich sowie psychisch) nachdem sie
Stress hatten. Hierbei ist es egal, ob es "positiver Stress" oder "negativer Stress" ist.

Zu einer krankheitsbedingten Zerstörung der Knochen – wie etwa bei einer rheumatoiden Arthritis – kommt es durch die
Fibromyalgie selbst in der Regel nicht, jedoch kann die teilweise massive Bewegungseinschränkung zu
Kapselschrumpfungen und anderen irreparablen Folgen im Gelenkapparat führen; dies ist allerdings selten.

Diagnose
ungefähre Lage der TenderpointsDie Diagnose einer Fibromyalgie gestaltet sich recht schwierig, da sowohl Röntgenbilder
als auch Laborwerte keinen eindeutigen Aufschluss geben. Eine Diagnose kann somit letztendlich nicht immer sicher
gestellt werden. Meist werden sogenannte „tender points“ (engl. etwa: empfindliche Stellen) zur Hilfe genommen (ACR
[American College of Rheumatology]-Klassifikationskriterien 1990). Besteht bei 11 oder mehr von 18 „tender points“ eine
erhöhte Druckschmerzhaftigkeit, so liegt der Verdacht auf Fibromyalgie nahe. Diese Diagnosepunkte liegen zumeist
gelenknah an den Sehnen-Muskel-Ansätzen.

Oft wird die Diagnose erst nach 8–10 Jahren gestellt, so dass es bereits zu einem Vollbild der Erkrankung gekommen ist,
bevor der Patient angemessen therapiert wird.

Diagnosekriterien:
spontane Schmerzen in der Muskulatur, im Verlauf von Sehnen und Sehnenansätzen, die über mindestens drei Monate
an drei verschiedenen Regionen vorhanden sind.
Druckschmerzhaftigkeit der „tender points“ – siehe oben
begleitende vegetative und funktionelle Symptome (Schlafstörungen, Müdigkeit, Kopfschmerzen/Migräne, kalte
Hände/Füße, trockener Mund, Hyperhidrosis (übermäßige Schweißproduktion), Kreislaufbeschwerden, Schwindel,
gastrointestinale Beschwerden (Magen-, Darmbeschwerden), Globusgefühl, funktionelle Atembeschwerden,
Missempfindungen („Kribbeln“), funktionelle kardiale Beschwerden, Dysurie und/oder Dysmenorrhoe)
Fibromyalgie-Patienten haben aufgrund der problematischen Diagnose oft Schwierigkeiten als arbeitsunfähig anerkannt
zu werden, was nicht selten zu großen sozialen bzw. finanziellen Schwierigkeiten führt. Die Krankheit ist nicht tödlich,
kann jedoch zu einer massiven Beeinträchtigung der Lebensqualität führen.

Ursache
Sowohl die Ursache (Ätiologie) der Fibromyalgie als auch die Mechanismen der Krankheitsentstehung (Pathogenese)
sind ungeklärt. Es besteht eine Vielfalt von Befunden, die genetische, hormonelle, neurophysiologische, psychische und
weitere Faktoren betreffen. In der Zusammenschau der Befunde wird derzeit vorwiegend eine Störung
schmerzverarbeitender Systeme im zentralen Nervensystem mit der Folge einer erniedrigten Schmerzschwelle diskutiert.

Hinsichtlich hormoneller und neurophysiologischer Faktoren wird beispielsweise ein Mangel des Neurotransmitters
Serotonin, das in der Schmerzverarbeitung und der Regulation des Schlafes eine wichtige Rolle spielt, diskutiert. So
wurden bei Patienten mit einer Fibromyalgie unter anderem im Liquor cerebrospinalis erniedrigte Spiegel an Serotonin
-Stoffwechselprodukten festgestellt. Neben Serotonin wird auch die Rolle anderer Hormone und Neurotransmitter wie
beispielsweise Substanz P oder das Wachstumshormon Somatotropin in der Entstehung der Fibromyalgie untersucht.

Bei Patienten mit Fibromyalgie liegen überdurchschnittlich häufig psychische Störungen wie Depressivität und
Ängstlichkeit vor. Es ist ungeklärt und Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion, inwieweit diese psychischen
Störungen selber Folge der chronischen Schmerzen sind oder aber die Symptome der Fibromyalgie eine
zugrundeliegende psychische Störung reflektieren. In Untersuchungen konnte bei Fibromyalgie-Patienten ein häufigeres
Vorkommen von körperlicher Misshandlung und sexuellem Missbrauch in der Vorgeschichte festgestellt werden.

Betroffene
Betroffen sind - je nach Quelle - zwischen 0,6 und 4 Prozent der Bevölkerung, davon sind 85 bis 90 Prozent Frauen. Die
Erkrankung beginnt im Allgemeinen gegen Ende 20 und ist mit etwa Mitte 30 voll entwickelt, und hat bei Frauen einen
Häufigkeitshöhepunkt im und nach dem Klimakterium. Selten sind auch Kinder und Jugendliche von ihr betroffen; bei alten
Menschen könnte sie fälschlicherweise unter „Altersbeschwerden“ subsumiert werden.

Der Krankheitsverlauf zieht sich meistens über Jahrzehnte hin. Die Heftigkeit der Symptome und der daraus folgenden
gesundheitlichen Einschränkungen ist individuell verschieden, in schweren Fällen aber lebensbestimmend bzw. stark
einschränkend bis hin zur dauernden Bettlägerigkeit.

Typisch sind „Patientenkarrieren“, d. h. die Betroffenen haben bis zur Diagnosestellung eine Vielzahl von Ärzten besucht
und viele verschiedene, teilweise überflüssige diagnostische und/oder therapeutische Maßnahmen hinter sich. Aufgrund
dieser unklaren Lage haben Betroffene, insbesondere in Ländern mit ausgebautem Sozialsystem, Schwierigkeiten ihren
Rechtsanspruch im Sozialrecht tatsächlich durchzusetzen. In der Schweiz behandelt das Bundesgericht die Fibromyalgie
wie andere somatoforme Schmerzstörungen; s. I 455/06 v. 22. Januar 2007). Es wird eine Prävalenz
(Krankheitshäufigkeit) von bis zu vier Prozent der Gesamtbevölkerung angenommen.

Behandlung
Die Fibromyalgie ist durch medizinische Maßnahmen nicht heilbar. Grundsätzlich besteht die Gefahr des
Medikamentenmissbrauchs, der Sucht sowie unabsehbarer Folgeschäden durch Dauermedikation mit diversen
Schmerzmitteln.

Ein Behandlungskonzept ist heute die multimodale Therapie entsprechend den Erkenntnissen der modernen
Schmerzforschung. Ziel der Maßnahmen ist hierbei die Erhaltung oder Verbesserung der Funktionsfähigkeit im Alltag und
damit der Lebensqualität sowie die Minderung und/oder Linderung der Beschwerden. Da es sich um ein lebenslang
bestehendes Beschwerdebild handeln kann, werden insbesondere Behandlungsmaßnahmen empfohlen, die vom
Betroffenen eigenständig durchgeführt werden können (Selbstmanagement), die keine oder nur geringe
Nebenwirkungen haben und deren langfristige Wirksamkeit gesichert sein sollte.

Zusätzlich zur wissenschaftlichen Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms (AWMF-Register Nr.
0041/004) wird vom Bundesverband der Deutschen Fibromyalgievereinigung (DFV) e. V. ein auf diesen Leitlinien
basierender Patientenleitfaden herausgegeben.

Danach werden folgende mögliche Behandlungen und Maßnahmen, die nicht zuletzt aufgrund des inhomogenen
Krankheitsbildes auf den jeweils Betroffenen individuell abgestimmt werden müssen, empfohlen (Stand 3/2008):

Patientenschulung, Nutzung der Möglichkeiten von Selbsthilfeorganisationen
kognitiv-verhaltenstherapeutische Schmerztherapie
eine ausreichende schmerzlindernde Therapie unter dem Einsatz von Antidepressiva; diese erhöhen die Schmerzschwelle.
äußerst sparsamer und keinesfalls kontinuierlicher Einsatz von klassischen Schmerzmitteln. Opiatagonisten sind nur mit
äußerster Vorsicht einzusetzen; hier liegen derzeit nur Wirksamkeitshinweise für Tramadol vor. Für den Einsatz
nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) liegen keine Hinweise auf eine Wirksamkeit bei Fibromyalgie vor.
eine systematische Belastungssteigerung durch Sporttherapie (Herz-Kreislauftraining und Funktionstraining), empfohlene
Ausdauersportarten: Walking, Radfahren, Schwimmen, Aquajogging
psychologische Therapie in Form von Hypnotherapie, geleitete Imagination, therapeutischem Schreiben
Funktionstherapie / Krankengymnastik, teilweise mit sehr langsam steigenden Anforderungen, angesichts des teilweise
erheblichen Schmerzpegels.
physikalische Therapie (Balneo- und Spa-Therapie)
Ganzkörperwärmetherapie (Sauna, Wannenbäder, Thermalbäder)
Lymphdrainage
Entspannungsverfahren (autogenes Training, Meditation), Taijiquan und Qigong und weitere Techniken der Stressbewältigung

Differentialdiagnosen
Da es sich bei der Diagnose Fibromyalgie um eine beschreibende Ausschlussdiagnose handelt, müssen zuvor unbedingt
andere definierte Erkrankungen ausgeschlossen werden. Wichtig ist hierbei auch eine sorgfältige psychiatrische
Abklärung, da bspw. eine Depression oft übersehen wird.

Rheumatoide Arthritis
Perniziöse Anämie / Vitamin-B12-Mangel, Neurologische Schäden treten meistens vor der eigentlichen Anämie auf.
Polyneuropathie
Borreliose
Hashimoto-Thyreoiditis
Multiple Sklerose
Epstein-Barr-Virus
Enthesiopathien, z. B. Tendinose – Degenerative Erkrankungen der Sehnen oder des Sehnenansatzes, meist Folge von
Über- oder Fehlbelastungen bzw. von Stoffwechselstörungen, Abklärung in der Regel per Sonographie möglich
Übertraining – intensive langwährende sportliche Betätigung, z. B. Leistungssportler, aber auch ambitionierte
Hobbysportler

Geschichte
Die Existenz der Fibromyalgie ist insbesondere hinsichtlich ihres Krankheitswertes bis heute umstritten. Allerdings gibt
es durchaus zunehmend Indizien, dass es sich um eine reale Erkrankung mit organischen Ursachen handeln könnte.
Obwohl schon früher zahlreiche, im Einzelnen jedoch nicht unumstrittene – z. B. hinsichtlich der Spezifität –, organische
Befunde festgestellt wurden, haben erst moderne bildgebende Verfahren, welche Echtzeit-Einblicke in Bereiche des
Zentralnervensystems ermöglichen, deutliche Abweichungen, z. B. in der Schmerzwahrnehmung aufgezeigt. Diese
Erkenntnisse wurden verschiedentlich bestätigt. Daher ist die Existenz der Schmerzwahrnehmung in Fachkreisen
mittlerweile etwas weniger umstritten, was jedoch nicht für deren Ursache gilt. Auch wenn sich daraus für die Diagnostik
(auf Grund der Kosten) oder die Therapie nicht direkt verwertbare Erkenntnisse bieten, sind die Betroffenen wenigstens
den ihnen oftmals entgegengebrachten Vorwürfen (z. B. Simulation, Hypochondrie, Hysterie) nicht mehr ganz im früher
anzutreffenden Umfang ausgesetzt. Jedoch ist mit einer erheblichen Latenz zu rechnen, bis sich diese noch relativ neuen
Erkenntnisse auch tatsächlich breit durchsetzen.

 

 

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Quelle: Div., Wikipedia,
http://de.wikipedia.org/wiki/Fibromyalgie, Stand: 18.01.2010

Lizenz: CC BY-SA (unported) 3.0,
http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Lizenzbestimmungen_Commons_Attribution-ShareAlike_3.0_Unported

 

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